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   5.02.17 08:19
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Peter auf der Grenzlinie - Lebenslauf

Peter auf der Grenzlinie







Die vier Säulen

Stabilität kann im Grunde auf vier Säulen reduziert werden:

- physische Robustheit

- psychischer Stärke

- sozialer Bindungen

- finanzielle Sicherheit

Peters Lebensgeschichte ist ein Balanceakt.

Beim lesen seines Lebensweges, sollte man sich vor Augen führen, welche dieser Säulen ihn gerade stabilisieren. Man wird sehen, dass Peter mit vier Säulen das Leben so richtig Lebenswert findet, dass drei Säulen intakt sein müssen um es überhaupt ein Leben nennen zu können. Wenn nur zwei intakt sind, dann kann man das über eine kurze Zeit hinweg ausballancieren, was viel Kraft kostet aber möglich ist. Steht man nur auf einer, dann ist man verdammt zu fallen!





Die ersten Jahre. Der Aussichtslose.



In einem mittelgroßen österreichischen Bergdorf kam Peter als viertes von sechs Kindern zur Welt. Schon früh sah man seine körperliche Gebrechlichkeit und da das, was sich in den romantisierten Zeiten gesund gestorben hat, viel länger überlebt, war er oft in seiner Kindheit krank. Seine chronische Immun- und Hauterkrankung ist weit verbreitet, aber bei kaum jemanden zeigten sich so starke Symptome wie bei ihm. Im Zuge dieser Erkrankung hatte er auch ein Hartnäckiges Asthma, welches in Kombination mit den zahlreichen Allergien, die die Krankheit nach sich zeiht, jeden Ausflug ins grüne zur Qual werden ließen. Auch wenn er mal mit einer Gruppe auf einem Ausflug ging und in eher unhygienischen Verhältnissen übernachtete, wurde er von der Atemlosigkeit geplagt. Alles war einfach nicht so richtig zu genießen und immer kam irgendwas, wo er ganz anders wie die anderen war und das versteht man als Kind einfach nicht.


Außerdem schien er nicht sonderlich hell zu sein. Er brachte nur mittelmäßig bis schlechte Noten nachhause, hatte keine besonderen Talente, aber speziell in Deutsch erwies er sich unfähig dreimal hintereinander dasselbe Wort richtig zu schreiben.

Textstottern

Seine tägliche Routine war es, auf den Lehrer erschöpft zu wirken und auf keinen Fall Blickkontakt zu suchen. Am besten macht man das, wenn man auf den Boden schaut. Angestrengt ins Heft und auf den Boden muss man schauen, sonst signalisiert man, dass man laut vorlesen will. Das Fenster ist auch geeignet, man darf aber nicht zu lange aus dem Fenster sehen, sonst wird man vom Tagträumen, mit der Aufforderung laut vorzulesen, erweckt.

Man muss sich so leblos wie möglich präsentieren, weil jeder Ausbruch von Leben ein Zeichen dafür ist, dass man sei heute besonders motiviert. Dann muss man natürlich auch gleich die Lebhaftigkeit ausnützen bzw. austreiben und wird vom Lehrer zum laut vorlesen aufgefordert. Die Lebhaftigkeit ist sofort wieder weg. Das war eines der sichersten Mittel! Weil wenn er den kurzen Absatz zu ende gestottert hatte und sich die Schulkollegen und Freunde mit Scham von einem abwandten, konnte der Lehrer noch immer seine Überlegenheit zeigen indem er einem vor der Klasse mündlich ein Urteil über seine gerade dargebotene Leistung ausspricht. Er war immer Enttäuscht. Seine mahnenden Worte verfolgten einen bis in die Träume, egal ob Tag oder Nacht.



Wenn man ein Talent finden will, war es sicher jenes, seine Eltern zur Verzweiflung zu treiben!

Durch diese ganzen Probleme ergaben sich viele Irritationen und die Fragen, die er stellte wurden von seinen Eltern nur mit „Demut“, „sich hinten anstellen“ und „Gott“ beantwortet, also hörte er einfach zu fragen auf und träumte sich mit dem Blick gen Boden durch die jungen Jahre.

Die zweiten Jahre. El Normalo.



Aber wie sie so oft aufwachsen, konnte er sich ab 12 körperlich erholen und fand über den Mannschaftssport zu einem sehr gesunden Konkurrenzdenken. Es war für Peter eine Erfüllung sich körperlich zu verausgaben und da, nach einer Zeit, auch sein Asthma beseitigt schien, erfreute er sich daran täglich den Pulsschlag zum Rasen zu bringen und das Blut mit Sauerstoff zu füllen. Seinen Verbesserungsfanatismus nahm er aus dieser Zeit. Er sah, dass noch so viele möglich ist, auch wenn einen schon alle abgeschrieben haben.

Die chronische Krankheit war nicht weg aber sie spielte über sieben Jahre keine Rolle. Natürlich waren öfter Kratzer an seinem Körper zu sehen, die ihn in Verlegenheit brachten. Er erzählte mir einmal wie er sich vor den Mädels verstecken wollte, die im beim Fußballspielen zusahen, er konnte mit den Stutzen nicht seine blutenden Kniekehlen verdecken. Das war doch sehr unangenehm!

Aber er dachte, er könne sich da schon heraus schälen und einfach eine tolle Type werden. An Problemen wächst man ja auch und sie vertiefen den Charakter. Er war fest davon überzeugt, dass eine schwere Lebenslage auch als Antrieb dienen kann. Also werden Probleme nicht vermieden, sondern analysiert und frontal angegangen. Einfach stark werden! Mit viel Arbeit und Selbstvertrauen wird das schon! Er wusste, dass er das kann!

Erwartungen pulverisiert

Mit dem Berufseinstieg veränderte sich nochmal so einiges. Zuerst schien es, als seien beide Hände aus der linken Seite entsprungen, aber mit 16 wächst sich das noch zusammen und ein Jahr später wusste er was er kann.

Die Überraschung schlechthin war aber die herbei gefürchtete Berufsschule! Zu beginn konnte er es selbst kaum glauben, aber nur technisch fokussiert, funktionierte das Lernen plötzlich frustlos. Weil er ja eine Type werden wollte setzte er sich mit diesen schulischen Erfolgen neue Ausbildungsziele. Einen echten Plan hatte er noch nicht und dachte sich, dass würde sich am Weg ergeben, der, wie jeder weiß, sowieso das Ziel ist.

Außerdem hatte er viele Freunde und mochte sie alle sehr gerne. Zum ersten mal erlebte er was das Wort Heimat bedeutet. In seinem Elternhaus konnte er nie von so einem Gefühl sprechen, da gab es allgemein zu viele Probleme und Irritationen. Aber das ist ja bei vielen so und soll hier nicht unbedingt das Thema sein.

Im großen und Ganzen war es trotz der Probleme eine schönen Zeit!



Die Geschichte wäre keine solche, wenn sie hier enden würde.

Ich schicke eine Warnung voraus:

Die folgenden Textbilder sind für Kinder ungeeignet.

Habt ihr sie schon raus geschickt? Gut!





Steiler Absturz - Der Verunmenschlichte.



Antreten!

Peter kam, stark wie er war und umringt von einer Schar von Freunden, zur Militärselektion. „Nein, es ist keines!“ antwortete er auf die Frage ob die Hauterkrankung ein Problem darstellen könnte. Ein Stempel schrieb „Tauglich“ und keiner war überrascht.

Er wurde gleich nachdem er eingezogen wurde einmal so richtig Krank. Passiert! „Ist doch besser zu ruhen als mit dem Gewehr irgendwo in der Kälte und im Schnee Krieg herum zu spielen.“ dachte er sich.

Aber mit dieser Krankheit wurden seine Mandeln beschädigt und die Haut bekam auch einiges ab. Aber Peter machte weiter, bewahrte seinen Humor. Der Frühling zog ein und er merkte wie plötzlich seine Allergien intensiver wurden. „Auch kein Proben“, gedacht. Danach bekam er immer wieder sehr schlimme Ausschläge an den Füßen, die sich immer weiter ausbreiteten. Aber auch da war es so, dass der Sommer ja das meiste korrigiert also noch immer kein Problem. Es wurde dann wirklich wieder einigermaßen stabil. Aber er merkte schon, dass das Regenerieren selbst sehr an den Kräften zehren kann. Da gab es noch so einige Episoden die ich auslasse, aber es sollte doch ersichtlich sein, wie es ihm in dieser Zeit erging.

Weiter geht die Pflichterfüllung

Jedenfalls ist er gegen Herbst von den stickigen Schuhen befreit worden und heuerte wieder bei seiner alten Firma an. Der Chef ging auch aktiv auf ihn zu, weil er wusste, dass er viel kann. Eine zuverlässige Arbeitskraft braucht man immer und es war viel zu tun.

Peter übernahm den Störungsdienst und musste nebenbei noch einige Baustellen leiten. Es war ein mittlerer technischer Installationsbetrieb und Überstunden waren an der Tagesordnung.

Wenn Peter heute davon berichtet sagt er, dass er nur Ziegelstaub geatmet und sich mit Telwolle bekleidet hat. Als Hautcreme verwendete er abgestandenen Gummiabrieb vermengt mit Öl, welches über Jahrzehnte gereift in den höheren Regionen der Industriehallen nur den ganz Privilegierten zugänglich ist. Dass er meistens über 10 Stunden am Tag arbeitete war aber keine Übertreibung. Er musste ja die Schulden vom seiner Militärzeit abbauen.


Es war eine stressige Zeit! Gepaart mit den harten Wintermonaten kam der vom Militär mitgeschleppte Fußausschlag wieder und breitete sich immer weiter aus. Die Haut wurde wieder sehr schlecht. Wirklich schlecht! Er musste des Öfteren in Krankenstand gehen und lag auch manchmal im Krankenhaus. Er konnte diese Entwicklung selbst kaum glauben, blieb aber immer Realist und musste in einer eher sentimentalen Stimmung seinen enttäuschten Chef die Kündigung überreichen. Es ging ganz einfach nicht mehr!

Neustart ins soziale Trauma

Aber wo ein Wille ist, da ergibt sich ein Plan. Und in einem reichen Staat wie Österreich findet man zum Glück Möglichkeiten sich selbst herauszuziehen und dabei unterstützt zu werden.

Körperlich angeschlagen war er ständig erschöpft von den vielen Wunden. Auch seine Schlagfertigkeit lies nach. Ist ja denke ich klar, wenn man ständig damit beschäftigt ist Wunden ausheilen zu lassen und außerdem mit der Scham und der Hilflosigkeit zu tun bekommt, weil man das Gefühl bekommt, dass man die Kontrolle über seinen Körper verliert. Das kann man nicht so einfach abstreifen.

'Gute Freunde helfen einem über schwere Situationen hinweg.' Es waren diese Tage in denen er lernte, dass das nur eine so dahingesagte Weisheit ist, die jeder in guten Zeiten vor sich herträgt um sie in schlechten zu vergessen. Ein Positives Selbstbild ist ja wichtig, aber schlussendlich hat diese 'Weisheit' keinerlei Substanz.

Die Heimat, die er in den Freunden sah, verlor er, weil der Verlust seiner Schlagfertigkeit und Leistungsfähigkeit ruft nun mal Irritationen hervor. Und manche gehen damit so um, dass sie diffamieren und auf jemanden eintreten der schon am Boden liegt. Oder anders gesagt: Sie entfernen das Kranke aus ihrem Leben.

Das war eine eher weniger schöne Erfahrung! Aber die beiden besseren Freunde bleiben ja. Das ist aber auch zu wenig um da vertrauen nicht zu verlieren. Die Demütigung werden zu Gerüchten und wenn man zu schwach ist dagegen anzukämpfen, muss man sich aufgrund des Gesichtsverlusts zurückziehen. Aber es gibt noch viele Leute auf der Welt und er war doch sehr positiv gestimmt, dass er wieder viele Freunde finden wird. Trotzdem blieb die Erfahrung immer präsent.


In der Zeit der Abschule fand er solche Freunde auch. Das Gefühl, eine neue Heimat gefunden zu haben, ergab sich nie. Aber es waren gute Freunde, die diesen in Selbsthass fundierten Herabsetzungstrieb nicht zeigten.

Leider lief aber mit der Krankheit etwas ganz schief. Peter wurde mit 20 immer instabiler.

Der totale Kontrollverlust

Der erste Winter in der Abendschule brachte einen noch nie dagewesenen Krankheitsschub mit sich. Er hatte zum ersten mal Wunden über den gesamten Körper.

Der nächste Sommer brachte auch keine vollständige Heilung mehr.

Der nächste Winter wurde zur Qual! Er konnte kaum noch Konzentration fassen. Die Wunden am gesamten Körper wurden zum Dauerzustand und triviale Dinge wie die tägliche Dusche wurden von kaum auszuhaltenden Schmerzen begleitet.

Darauf folgt eine Wiederholung des Sommers und ein nochmal schlimmerer Winter.

Und derselbe Zyklus wiederholte sich nochmal!

Peter war bereits 24 als er des öfteren in Einsamkeit und Schwäche diese tiefe Traurigkeit spürte, weil er keinen Ausweg sah.

In solchen Zeiten muss man sich die Tränen gut einteilen, nicht nur weil sie über ein verwundetes und geschwollenes Gesicht noch mehr schmerzen, sondern auch, weil man gegen diese Tristesse kämpfen und positiv bleiben muss. Diese Trauer hat viele Tiefen und man darf sich einfach nicht zu sehr daran gewöhnen, da man gut und gerne von ihr vereinnahmt werden kann.



Diese vier Jahren kann man nicht in einem Absatz erklären. Wir haben versucht das auf verschiedene Arten auszudrücken, aber man stößt schnell an Wortgrenzen. Die Sprache ist einfach limitiert und ein paar Sätze scheinen etwas anzudeuten aber trotzdem das entscheidende bleibt ungesagt.

Krankheit als Leidenslehre!

Für Peter war das eine zerschmetternde Erfahrung. Während andere in den Mittzwanzigern in Beziehungen zu Leiden aber auch zu Lieben lernen, beschränken sich seine Beziehungserfahrungen auf die mit dem Gesundheitssystem. Über lange Phasen musste er jede Woche zum Facharzt, weil wieder irgendwas anderes aufkam. Andere müssen sich in dieser Zeit in Sicherheit und Stabilität üben, Peter konnte immer mit der Zuwendung zur Absurdität des Lebens einen gewissen humoristischen Antrieb finden. Stabilität war nicht vorhanden und sein Leben absurd!



Kortison schmieren, schlucken und manchmal auch intravenös. 'Der Körper wird’s schon aushalten!'

An manchen Tagen vor allem wenn er den Kopf vor Schmerzen nicht bewegen konnte und die Augen zugeschwollen waren schlug das Herz auch mal schneller und er dachte: „Eigentlich könnte es ja bald vorbei sein.“ und fragte sich selbst des öfteren „Wie lange kann das der Körper noch aushalten?“

Aber weiter geht’s! Schulisch gelang alles problemlos, da er ja viel mehr Zeit zur Verfügung hatte, als alle anderen in seiner Klasse, die nebenbei noch arbeiten gehen mussten. Außerdem wurde er nicht von Freunden vom lernen abgehalten, da er ja kaum noch welche hatte. Er bildete sich auch in vielen anderen Bereichen weiter und wurde richtiggehend zum Buchmenschen. Trotz seiner offensichtlichen Leseprobleme!

Ausgehen war nicht Auszuhalten!

Neue Leute kennenlernen war eine Seltenheit!

Frauen kennen lernen: Selbsterklärend!

Zwangsausbildung zum Menschenkenner

Peter lernte, dass man so gut wie keinen Fremden in die Augen schauen kann, weil andere Menschen wie Spiegel für uns sind. Er lernt weiter, dass man andere in Panik versetzen kann, weil sie einem ja nur helfen und heilen wollen, aber sie sind genauso machtlos wie man selbst und sind nicht in der Lage zu helfen und zu heilen. Er lernte auch, dass man noch immer in so einer hilf- und aussichtslosen Situation positiv blieben muss. Nicht nur für sich selbst, sondern auch um die Verzweiflung der Mitmenschen in Zaum zu halten.

Kurz: er lernt wie Krankheit nicht nur den eigenen Körper und Geist vernarbt, auch jeder andere rund um einen leidet und wird in den Wahnsinn getrieben!

Man lernt die Blicke schöner Frauen kenne, die reflexartig von der glänzenden Gesichtscreme abgleiten und plötzlich eine interessante Struktur am Boden, an einer Hausmauer oder im blauen Himmel entdecken und wie gebannt dorthin starren. Er selbst bemerkt diese interessante Struktur zur selben Zeit, aber nur am Boden. „Das ist ja auch eine Art von Blickkontakt.“, dachte er.

In solchen Momenten erinnerte er sich plötzlich wieder an die Schulzeit. Er hat den Boden wiederentdeckt sozusagen!

Perspektive: unmenschlich Vegetieren

Die Abendschule war fast abgeschlossen und Peter hatte die Perspektive um Pension anzusuchen und ein grausames aber anspruchsloses Dahinvegetieren sein Leben nennen zu dürfen.

Er konnte sich kaum konzentrieren, weil der Wechsel von schweren Wunden zu schweren und schmerzvollen Wunden, einen doch psychisch vereinnahmt. Überfordert ist eigentlich das richtige Wort!

In der Abendschule bekam er ein Stipendium, dass nicht nur zum Überleben sondern zum Leben reichte und seine mit der Krankheit erhöhten Lebenskosten gut abdeckte. Die Pension würde ihn aber wahrscheinlich vollkommen unterfinanzierten!

Aber wie soll man sich mit solchen Problemen den sogenannten 'ernst des Lebens' widmen, wenn man auch ohne zusätzlichen Ernst einer Situation ausgesetzt ist, welche keine Schönheit und Geborgenheit zulässt. Ernsthaft: Wie soll man das aushalten?

Problem Pflichterfüllung?

Er dachte natürlich viel darüber nach wie er hätte verhindern können in so einen Lage zu geraten. Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn Peter auf die Frage, ob die Hautkrankheit ein Problem darstellen könnte mit „Ja“ geantwortet hätte und der Stempel in der folge 'Untauglich' geschrieben hätte. In der Zeit begann ja alles!

Oder vielleicht hätte er gleich nach dem Wehrdienst seine Arbeit nicht fortführen dürfen. Er hatte das Gefühl, dass er das nicht mehr aushält. Aber sein Umfeld hatte ihn immer zur Pflichterfüllung gedrängt und das ist auch in einer gewissen Weise verständlich. Nur gingen sie davon aus, dass er gesund ist und immer gesund war und er wehrte sich nicht gegen dieses denken und versuchte zu machen was jeder gesunde macht: Verdienen und Pflichten erfüllen!

Aber all dieses denken ändert im Grunde nichts an der Situation und ist rein hypothetisch.







Aber glücklicherweise kam alles anders!



Man darf nun die Kinder wieder herein holen!

Es folgt eine inspirierende Erfolgsgeschichte!

Die Hoffnung stirbt also doch zuletzt!

Oder ist sie Wiederauferstanden?

Senkrechter Aufstieg - Der Leistungsmensch.



Die moderne Medizin vollbringt so manches Wunder. Weil die Krankheit sein Leben zu zerstören drohte (die Ärzte sahen das auch nur 4 Jahre zu spät!), wurde ihm eine teure aber sehr wirkungsvolle Therapie vorgeschlagen und genehmigt. So etwas bekommt man für diese Krankheit eigentlich nicht, aber sein Fall war speziell!

Der Leidensdruck war zu groß, also überlegte er nicht zweimal!

Die ersten drei Tage nachdem er das Medikament zum ersten mal einnahm, brannte die Haut, wie wenn kleine Flämmchen darunter flackern. Was dann nach ein paar Wochen im Frühling passierte war fantastisch! Peter hatte plötzlich wieder eine stabile Haut! Ein Wunder!

Das war eine Zeit! Man konnte ihn kaum noch halten, er war voller Tatendrang und wollte nicht mehr als die Welt erobern! Da er zu dem Zeitpunkt schon ein wenig aufgespeckt hatte, war seine oberste Priorität seinen Körper wieder einigermaßen in Schuss zu bringen, da der Sport immer als ein Motor seiner Entwicklung diente oder in Peters Worten: „Ohne Sport bin ich nicht zu gebrauchen!“

Legasthenie

Neue Pläne waren auch schnell gefasst! Er erledigte die Matura mit eineinhalb Fingerschnippen und wollte nun sogar studieren gehen! Also lies er sich von Fachleuten überprüfen ob das mit der Lese- und Rechtschreibschwäche auf angeborenen Stumpfsinn zurückzuführen ist oder ob es doch tiefer liegende Gründe gab. Sie stellten eine Legasthenie fest und attestierten ihm in logisch kombinatorischem Denken sogar einen IQ von 130! „So lässt sich konkurrieren!“, dachte er sich und reflektierte nur kurz auf den möglichen Weg, den er hätte gehen können. Wenn das seine Hauptschullehrer schon erkannt hätten. Dann würden sich die Hautprobleme auf ein Minimum beschränken, da er ja nie mit den allergenen Substanzen in Berührung gekommen wäre. Aber das ist alles hypothetisch.

Studienbeginn

Ich war skeptisch, ob er sich da nicht übernehmen wird und ob er nicht doch einen bis drei Gänge zurückschalten soll.

Aber er wollte nicht hören und behielt recht! Das Studium meisterte er spielend und da er niemals ein Einserschüler war, vergrößerte er die Herausforderung um die zu beginn viel zu guten Noten wieder ein wenig seinem Dreier-Anspruch anzunähern. Nach genau einem Jahr hatte er eine Halbmarathonform, war im Studienplan leicht vorne und setzte sich jetzt in den Kopf sich mit Fremdsprachen und Auslandserfahrungen einige nützliche Zusatzqualifikationen anzueignen.

Daran sieht man auch, dass Peter, wenn es geht versuch sich wieder einem normalen Leben anzunähern. Er wollte einfach sein Einkommen irgendwann wieder selbst generieren und mit einer guten Sprachkompetenz lässt sich einfach viel anfangen.

Italienisch wählte er nicht nur zufällig, sondern hatte im Hinterkopf den Plan dem Winter zu entkommen, welcher noch immer ein Symbol für Schmerzen und eine zerstörte Haut war. Aber, so ehrlich muss man auch sein, er wollte eine prägende Zeit erleben. Zur Abwechslung eine hervorragende Zeit!

Leistungssport

Peters körperlicher Heilprozess war einfach unglaublich! Man sah kaum noch die Wunden auf seiner Haut. Er war ziemlich blass aber das war viel besser als das rot gelb was er über die letzten Jahre trug. Und er lief und lief und lief. Bei Antritt seines Auslandsjahres hatte er Marathonform. Sah dementsprechend schlank und durchtrainiert aus. Auch seine Gesichtsknochen bildeten schön langsam etwas, dass man attraktiv nenne könnte. Peter war nicht mehr derselbe! Seine Persönlichkeit veränderte sich einmal mehr. Die Arbeit daran sich zu öffnen und wieder neue Freunde in sein Leben zu lassen verlangte im einiges ab. Aber er hat niemals das Grundvertrauen in die Menschen verloren und fand deshalb wieder wunderbare Menschen. Ausgehen war auch wieder ein Thema. Und die Mädels? Zu dem Zeitpunkt noch nicht! Das war dann doch noch etwas schwieriger.

Auslandserfahrung

In Neapel angekommen dauerte es keine zwei Tage und er fühlte sich in dem zuvor nur unzureichend ausgeprägten Englisch sehr wohl und ein halbes Jahr später war das Italienisch auch schon einigermaßen akzeptabel.

Wirklich wichtig war, dass Peter seine Person nochmal öffnen konnte und dass er lernte auf fremde Menschen wieder unbeschwerter zuzugehen. Er vergaß nie zur Gänze, wie die Blicke der Frauen und die seinen synchron zu Boden glitten, aber er machte Fortschritte und fühlte sich in weiblicher Gesellschaft wieder sehr wohl. Er öffnete sich emotional und begann auch wieder sich zu verlieben. Eigentlich zum ersten Mal so richtig! Das mit 27! Einmal sagte er mir, wie schwierig das war, sich selbst wieder verwundbar zu manchen wenn man schon mal so ein emotionaler Eisblock sein musste, welcher einfach alles abprallen lassen muss um zu überleben. „Diese psychische Bewegung verlangt einen immensen Einsatz.“ ließ er mich wissen.

Und er fand ein zweites mal das Gefühl der Heimat und Geborgenheit und konnte sich täglich intensiv mit seinen nächsten Menschen auseinandersetzen.




Aber aufwärts ist nicht die einzige Richtung eines bewegten Lebens!



Peter hatte die zwei Monate zuvor schon ein paar mittelschwere Entzündungen erlebt, aber alles mit seinen Mitbewohnerinnen humoristisch durchlebt. Irgendetwas konnte aber nicht stimmen. Der Heilprozess dauerte einfach länger als er das gewöhnt war.

Anfang Februar schrieb er in sein abgegriffenes Gedankenbuch: „I'm fucked!“ Ein neues Kapitel war eröffnet!



Die Umkehr - Der Mann mit der gelben Maske.



In noch immer gebrochenen italienisch erklärte er der Ärztin, dass sie keine Ahnung hat, was das für Auswirkungen haben wird, als sie ihm verweigerte das Medikament weiterhin zu verschreiben. Es wurde irgendwas von Nierenversagen gesprochen, aber wie es in solchen Situationen eben ist: Man hört alles nur in so einem dumpfen Hall.

Dieser Termin war zufällig am selben Freitag, an dem er in eine neue Wohngemeinschaft einzog. Einen halben Tag ohne das Medikament als er beim ersten, von ihm zubereiteten, Abendessen saß, begann sein Gesicht plötzlich zu pochen, sodass er sich nicht wirklich auf das Gespräch einlassen konnte. In der Nacht musste er immer wieder eine Flüssigkeit abwischen, die plötzlich aus der nicht verletzten Gesichtshaut austrat, es war aber kein Schweiß sondern etwas undefinierbares. Am nächsten Tag war das Gesicht rot, geschwollen und durchnässt. Am Tag darauf bildete sich eine dicke Kruste, es war entzündet und gelb.

Seit diesem Tag ist es für ihn das Symbol der 'gelben Maske' mit der er sich im Spiegel plötzlich nicht erkennen konnte. Es ging alles so schnell! Viel zu schnell um nicht zum nächsten Trauma zu werden!



Als Entschuldigung dafür, dass er sich die erste Woche im Zimmer einsperren musste schrieb er auf einen Zettel um Verzeihung betend, dass er krank sei und wie ein Monster aussehe. Mit eineinhalb verklebten Augen musste er sich am Montag den Weg mit den öffentlichen Verkehrsmittel von Krankenhaus zu Krankenhaus suchen. Er sah nur auf den Boden, weil er die Blicke der Passanten einfach nicht ertrug. Und dann quälte er sich mit seinem Italienisch durch die Bürokratie und wollte nur eines; ein anderes Medikament, dass das ganze wieder einigermaßen ins Lot richten kann. Dieser Leidensdruck kann Existenzen zerstören und geht nicht spurlos an einem vorbei!


Einige Wochen und Antibiotikatherapien später kam endlich die Bewilligung für ein lächerlichst teures Medikament. Es war eine dreimonatige Spritze, die mehr als doppelt so viel kostete, als er in dieser Zeit zum Leben braucht. Man teilte ihm mit, dass es in einem Hamster oder einem Hühnerei herangezüchtet wird und dass es ein echtes Risiko auf einen Herzinfarkt und Krebs gibt. Es ist auch noch ein neues Medikament und deshalb mangelt es an Langzeiterfahrungswerten, aber es solle 'besser' sein hat man ihm mitgeteilt. Wenn der Leidensdruck so groß ist, dann nimmt man einfach jedes (!) Risiko auf sich!

An dem Tag an dem er das Medikament bekam, scherzte er schon wieder und sagte seinen Freunden, dass sein Körper jetzt viel wertvoller sei, weil diese lächerlich teure Flüssigkeit nun irgendwo in ihm herumschwimmt. Aber wenn man ein wenig vom Menschen versteht, dann war da eine ordentliche Portion Galgenhumor dabei.

Stillhalten, die Mitte finden und weitermachen!

Schön langsam ging es wieder bergauf. Ein ständig rotes Gesicht zeugte noch von dem, was geschehen war. Wenn man dort Kortison verwendet, wächst sich das nicht so einfach wieder raus. Paradoxerweise!

Peter begann wieder Sport zu treiben. Etwas nachdenklicher. Er hatte viele Alleinphasen und als er sich endlich durchgerungen hat seiner besten Freundin zu sagte, dass er sie liebt, bekam er noch mehr dazu. Aber es bestätigte nur wieder einmal seine These, dass das Kranke einfach unausstehlich ist und so leicht aus dem Leben entfernt werden kann, egal wie tief die Bindungen zuvor waren. Das ist dann doch etwas frustrierend. Peter fragte sich zu der Zeit, wie viele Traumata er schon durchleben musste und kam zu keiner zählbaren und zufriedenstellenden Antwort. Auch weil sie sich ja gegenseitig befruchten und das nächste auf diese Art noch schlimmer erscheinen lassen. Über solche Dinge nachzudenken ist absurd und genau das, was man braucht um das ganze mit Witz zu sehen.

Die Einsamkeit und die ewige Liebesbriefschreiberei begleiteten ihn im Sonnenschein durch den Tag. Viel schönes hat er gesehen. Trotzdem schmeckte alles etwas bitter und die Kraft war nicht mehr dieselbe.

Er wusste aber nicht warum! War es das Medikament und dessen Nebenwirkung? Die drohende ewige Einsamkeit? Das unkontrollierbare Krankheitsbild? Die Länge, Intensität und der Wechsel der Krankheit? Oder eine Kombination aus allem? Wer weiß!

Peter wurde in dieser Zeit immer musischer und wurde immer schwieriger die nötige Konzentration zu fassen um die Fachtexte zu bearbeiten. Auch jeder Abgabetermin wurde immer schwieriger einzuhalten. Was er früher einhändig mit zwei Fingerschnippen erledigen konnte, war plötzlich nur noch mühsam! Er schaffte nicht alles, was er sich vorgenommen hat, aber doch die Minimalanforderungen die an ihn gestellt wurden.

Peter schrieb viel und hörte viel Musik. 'My body is a Cage' von Arcade Fire entwickelte sich zur seiner persönlichen Hymne. Er fasste den Entschluss, dass er selbst ein Instrument lernen will, sobald er wieder in Österreich ist, um vielleicht etwas schönes aus seinem Chaos-Leben zu kreieren.

Nebenwirkungen

Man kann Nebenwirkungen manchmal nicht auf ein Medikament isoliert betrachten. Neben der neuen Therapie – die das Immunsystem stärker drosselt als das Alte, welches aber keine Leistungseinschränkungen nach sich zog - können auch psychische Faktoren nicht ausgeschlossen werden, die ihn plötzlich von seiner eigentlichen Leistungsfähigkeit abhielten.

Irgendwas war faul und es passte ihm gar nicht! Und weil er Probleme immer proaktiv anging, suchte er sich einen Psychologen und bezahlte €50 alle eineinhalb Wochen, damit er mit ihm spricht. Eigentlich war das weit über seinem Budget aber er fühlte, dass er das zu der Zeit einfach brauchte. Es half ein bisschen, aber zu einer echten Antwort kam er nicht! Es fühlte sich alles irgendwie anders an und Peter verstand es nicht!

Dennoch! Am weg Trainieren! - Der Abenteurer



Peter hatte sich zu beginn seines Auslandsjahres eine verrückte Radreise in den Kopf gesetzt. Nachhause soll es gehen. Wo das auch immer sein mag! Aber am Weg nach Österreich zurück wollte er es finden. Was dann kam war 2000km pures Leben! Radfahren zumeist an den Küsten und durch aufregende Städte. Er wusste nie, ob er das gewünschte Ziel erreicht wird. Mit zahlreichen schwierigen Situationen kam er zurecht und stellte in Jugendherbergen fest, welchen Wirkung die Abenteurerrolle auf die Frauen hat.

Peter sah, dass man den Rucksack vor fremden Leuten nicht mehr mit sich herumschleppt! Er konnte einfach unbeschwert sein! Zum ersten mal in seinen Leben erfuhr er was das bedeutet! Die Reise war enorm inspirierend, er erlebte alles voll bewusst und reflexiv!

Er erlebte in 6 Wochen so viele schöne Geschichten wie seinem bisherigen Leben nicht. Die Intensität war das Ultimative, aber viel wichtiger, für ihn waren die Leute, die er traf. Peter durfte sich in diesen Tagen nicht als der Kranke fühlen, er war vielmehr der Abenteurer! Und ein bisschen die menschliche Maschine.


Aber dann kam er nicht Heim sonder in Österreich an.









Ausgedehnter Abstieg - The Indifferent.



Peter entwickelte sich hin zum Gleichgültigen (The Indifferent). Um zu verstehen, dass das keineswegs auf einer freiwilligen Entscheidung basiert, werden die nächsten Erklärungen dienen.

Hohe Ziele

Zunächst setzte er sich wieder, wie es für ihn ganz natürlich schien, sehr hohe Entwicklungsziele um, wie Nietzsche bereits lehrte, daran zugrunde gehen zu können. Gescheitert ist er akademisch noch nie (Auch mit den vielen Problemen im Ausland erfüllte er alle Anforderungen, es war aber ein enormer Aufwand und kostete viel Kraft), also war das ja ganz normal für einen Entwicklungsfanatiker seiner Art.

In Österreich angekommen wollte er innerhalb eines Jahres das erste Studium abschließen und sich wieder mit einer neuen Fremdsprache auf ein zweites Auslandsabenteuer einlassen.

Da er schon länger bemerkt hatte, dass sein finanzielles Polster dahinschmolz, wollte er einen kleinen Nebenjob annehmen und um so seine erhöhten Lebenserhaltungskosten zu tragen und sich wieder die Möglichkeit für ein wenig Mobilität zu schaffen.

Langfristig wollte er sich im Studium nochmal anders orientieren um somit sein bisheriges Abschlüsse noch besser verwertbar zu machen. Mit 35 wollte er einen super Job haben, der ihn erfüllt, und bis dahin war es nicht mehr all zu lange!

Dass diese Zielsetzungen illusorisch waren, stellte sich schnell heraus!

Unsichtbar Krank

Das Medikament ist eines der neuesten und 'besten' was für seine Krankheit erhältlich ist und, wie ich bereits erwähnt habe, kostet es enorm viel Geld, weshalb es sehr schwer ist von den Krankenkassen eine Bewilligung zu bekommen.

Als Peter nach Österreich zurück kam, dauerte es natürlich wieder eine Zeit für diese Bewilligung obwohl er sie laut Therapieplan unmittelbar nach Ankunft bekommen sollte. Viereinhalb Monate nachdem er die letzte Spritze erhielt, zeigte sich die Krankheit wieder und er musste ins Krankenhaus, und ein paar Wochen darauf noch ein zweites mal. Die Haut wurde einfach wieder sehr schlecht. Es war zu vermeiden, dass die gelbe Maske wieder zurück kommt und ohne die Behandlung würde er mit Sicherheit in den Wintermonaten wie ein Monster aussehen und so wieder total von der Erkrankung beherrscht sein.

Peter zog in eine neu Wohnung, welche ein wenig über seinem geplanten Budget lag, aber sie war viel besser für die Krankheit, weil sie nicht mit Hausstaubmilben verseucht war, wie es so viele andere Wohnungen sind.

Dann bekam er die Spritze und war erleichtert und dachte eigentlich, dass nun bald alles wieder besser werden würde. Die Haut wurde auch schöner, aber die Spritze selbst belastet das gesamte System, sodass er, wie nach jeder Behandlung, gut eine Woche körperlich sehr erschöpft war. Das Medikament machte die Krankheit aber sozial verträglich! Sie wurde durch die Behandlung so gut wie unsichtbar!

Die Karotte am Stock

Peter wurde im November krank, die Ohren waren es wieder einmal. Der Heilprozess dauerte ein wenig und dann hatte er den Monat Dezember in dem er wieder produktiv sein konnte.

Es war aber sehr viel zu tun, der Stundenplan war vollgepackt und er befand sich durch die vielen Ausfälle gleich zu Beginn in der Defensive, musste also viel nacharbeiten.

Mit der angeschlagenen Gesundheit konnte er wenig bis gar keinen Sport treiben, der Winter trug auch zur ständigen Abbau seiner Kondition und auch seiner Leistungsfähigkeit bei. Also kam er auch in den folgenden Monat nicht richtig in tritt. Dann bekam er zwei schwere Zahnentzündung (jeweils zwei Wochen lang) und sein Asthma, dass er, so dachte er zumindest, mit 14 'überwunden' hatte, zeigte wieder seine atemberaubenden Symptome.

Durch die zahlreichen zwischendurch auftretenden Erkältungen wurde eine längere stabile Zeit verhindert.

Wie eine Karotte am Stock hing das Versprechen der Ärzte vor ihm, die versicherten, dass sich das Immunsystem an den Erkältungen wieder 'anlernt'. Deshalb hatte jede einzelne Entzündung einen ganz seltsamen Nutzen und er ertrug sie ganz einfach!

Der Todesvertrag

Da es ein sehr starkes Medikament ist, wurde er eingehend über die Risiken informiert und im Gegensatz zu Italien las und verstand er das Geschriebene.

Neben den gehäuften Entzündungen und Krankheiten stand da auch was von einem Erhöhten Krebs- und Herzinfarktrisiko.

Unter der Verkettung unglücklicher Umstände kann das Medikament zum Tod des Patienten führen.“ stand da auch geschrieben und obwohl jeder weiß, dass einem täglich dutzende absurde Tode treffen können, so macht es doch ein unterschied, ob man diesen, mit nur 28 Jahren auf dem Buckel, mit seiner Unterschrift zur Kenntnis nimmt. Er selbst nennt ihn den Todesvertrag wenn er wieder mal in seiner makaberen Stimmung ist.

Verständlicherweise hat er auf sterben so gar keine Lust aber ob man es nun Hypochonder nennen will oder ganz einfach als rationale Panik kategorisiert ist eigentlich egal. Die Lunge und die Bronchien befinden sich eben nahe am Herz und wenn die Herzmuskeln von den Bakterien oder Viren befallen sind, so kann es ganz schnell gehen. Speziell aus diesem Grund lag er in Krankheitsfällen die meiste Zeit im Bett und versuchte somit jedes mal wieder die Entzündung so gut wie möglich auszukurieren.

Wenn er sich gut fühlte wartete er drei Tage und begann leicht zu laufen. Er wollte als Mensch wieder funktionieren und das ging bei ihm immer über den Sport, welcher ihm die Energie für alles andere ganz automatisch gibt.

Das Frühjahr war nicht von den Erkältungen und Entzündungen sondern von den Allergien bestimmt. Trotzdem schaffte er es seine Form nicht ganz zu verlieren und in den wenigen Wochen in denen er 'gesund' war immer wieder Trainingsimpulse zu setzten.

Aber nach dem ersten Jahr in Österreich - in dem er fast ausschließlich beschäftigt war seine Krankheit auszukurieren und seinen Körper nicht komplett verfallen zu lassen – brachte er im Studium viel zu weniger weiter als er geplant hatte. Er war ständig auf seinen gebrechlichen Körper zurückgeworfen. In Krankheitsphasen war er unkonzentriert und damit beschäftigt nicht zu sterben, er lenkte sich mit der Gitarre von den vielen Problemen ab um sie dann wieder mit dem Psychologen - welchen er über die Universität kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt – hervorzuholen und aufzuarbeiten.

Nach diesem Jahr wurde es leider nicht besser sondern nur noch bzw. wieder absurd!

Die chinesische Folter

Wenn man gefesselt wird und man bekommt kontinuierlich einen Wassertropfen auf die Stirn geträufelt, so wird man verrückt. Das besagt zumindest die Legende der chinesischen Folter und hat sicher damit zu tun, dass einem etwas widerfährt, was man nicht kontrollieren kann. Für Peter wurden die Erkältungen ebenso unkontrollierbar wie für den Gefolterten der Tropfen auf der Stirn.

Eine Entzündung folgte der nächsten. In immer kürzeren Abständen, sie wurden somit immer intensiver, und Peter wollte noch immer nicht sterben.

Wenn es ökonomischer wird die gesunden Phasen eines Lebens zusammen zu fassen als die Kranken, dann ist man in den Tiefen der Absurdität angekommen! Für ihn war es eine sehr vertraute Welt, da er ja bis 24 etwas ähnlich unkontrollierbares durchmachen musste, auch wenn es diesmal nochmal komplizierter war, da man Erkältungen im Gegensatz zu einer Hautausschlag nicht unmittelbar sieht.

Künstlicher Takt

Mit den schwingenden Saiten der Gitarre und seinem Gesang vertrieb er die Geister der Einsamkeit, die sich von der Stille ernähren und daran wachsen. Das Instrument schien noch so etwas wie eine Entwicklung möglich zu machen und einen Rhythmus in ein chaotisches Leben zu setzen. Durch die Erkrankungen war er ständig unkonzentriert. Wenn er versuchte einen Fachtext durch zu arbeiten, so schweifte er ständig ab. Nach vier gelesenen Seiten war er erschöpft und musste pausieren. Er versuchte es so oft aber es war immer dasselbe und irgendwann ist einem alles eine zu große Anstrengung.

Peter sollte so vieles in seinem Leben organisieren und strukturieren, aber er hatte nur Kraft für essen Kochen und Wäsche waschen. Er hatte zum Glück auch die Kraft seine sozialen Kontakte nicht verkommen zu lassen. Aber alles was darüber hinausging war zu viel. Er dachte das würde sich alles wieder verbessern wenn nun endlich das Immunsystem 'angelernt' sei und die Erkältungen wieder seltener werden. Also hielt er still und ertrug diese absurde und subtile Folter.

Mit den ständigen Entzündungen versagte ihm seine Stimme über weite Strecken und mit dem Kortisoninhalator, den der Arzt schon über 15 Jahren nicht mehr verschreiben musste, war sie sowieso nach jeder Behandlung für mindestens einen Monat unbrauchbar. Es ist eigentlich nur eine kleine Episode wo sich Peter dachte, dass es schon vieles gibt, das er erfüllend findet und das ihm durch die Krankheit einfach genommen wird.

Stress und Stressvermeiden

Wie so viele Immunkrankheiten löst Stress einen Schub der Krankheit aus. Nun soll man sich mal vorstellen, dass man so gut wie keine zwei Wochen hintereinander hat in denen man sich gut fühlt, bzw. gesund ist.

Peter beschäftigte und entwickelte sich in dieser Zeit musisch weiter. Fliegende Ideen liegen schwerelos auf den Schultern. Ganz im Gegensatz zu den Verpflichtungen. Behördengänge und konkrete Termine werden zu Farce, da man immer wieder absagen muss, sodass man beginnt am planen selbst zugrunde zu gehen, da Pläne so sinnlos erscheinen. Es sollte klar sein, dass das vollkommen gegen Peters Wünsche und Ansprüche, also gegen seine Grundpersönlichkeit, ging. Aber was soll man machen, wenn nichts mehr aufgeht, wenn man 12 Jahre gegen eine Krankheit anläuft und das Beste aus einer schlimmen Situation machen will und dann doch nichts klappt.

Natürlich macht man immer wieder Pläne. Die Statistik sagte ihm aber, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, in der nächsten Woche wieder Krank zu werden. Die Statistik bestätigte sich auch meistens. In Seminaren konnte er so manches Referat nicht halten und Abgaben von Arbeiten und Prüfungstermine kollidierten sehr oft mit der Verpflichtung mit erschöpften Knochen sein Bett zu bewachen und der Notwendigkeit die Verzweiflung mit Ignoranz zu bekämpfen. Er wollte sich nicht überfordern und daran sterben.

Das Reh und der Scheinwerfer

Der Stress muss vermieden werden und die finanziellen Mittel schwinden, was, wenn man mal darüber nachdenkt, Stress verursacht. Man versucht durch stillhalten einen Ausweg zu finden weil jede Bewegung mit kosten verbunden ist. Manchmal reicht es ja vor die Tür zu gehen und die Schuhe werden abgenützt und die Hose reißt. Alles was man an Bewegung macht kostet Geld. So absurd es auch scheinen mag, wenn man kein Geld hat, versucht man durch Stillhalten sparsam zu sein. So denkt man, wenn man akuter Armut ausgesetzt ist!

Peter fühlt sich wie ein Reh, dass wie gebannt vor dem Scheinwerfer steht, da es einfach nicht möglich ist den Stress des Arbeit standzuhalten und somit die erhöhten kosten abzudecken. Und der Teufelskreis ist komplett, da ihn diese Unbeweglichkeit die Krankheit nicht verbessert und ihn noch weiter in die Leistungsunfähigkeit treibt, was wiederum Stress auslöst, welcher ignoriert werden muss um nicht Wahnsinnig zu werden.

Im zweiten und dritten Abschnitt werde ich noch vertieft auf diese Punkte eingehen!

Teufelskreis im Jahresrhythmus

Letztes Jahr hatte er ca. 2 Monate im Sommer wo er seine Entzündungen und die Haut unter Kontrolle bringen konnte. Diese Zeit hatte er auch bitter nötig um die Kraft für den darauffolgenden Winter aufzubauen. In diesem Jahr musste er feststellen, dass die Tiefen der Absurdität ein noch dunkleres Schwarz werfen. Von Oktober bis ende Juli hatte er keine einzige Woche (!!!) in der er nicht erkältet war!

9 Monate Krank! Und das durchgehend! Das ist absurd!!!

Da er aber ohne das Medikament höchstwahrscheinlich wieder mit der gelben Maske zum Monster wird und sich von der Welt und seinen Freunden zurückziehen muss. Erträgt er das, weil die Alternative schlimmer ist!

Als Nebenwirkung wurde er zu 'The Indifferent'.

Das Steht auf keiner Packungsbeilage!

Ob die Ursache nun das Medikament ist oder nicht, spielt aber im Grunde keine Rolle.

Vorschau

Peter wurde nun das Medikament abgesetzt bzw. pausiert, weil die Entzündungen viel zu häufig auftreten. In der Folge wird sich das Immunsystem wieder stärker und es wird wieder die Haut angreifen. Vielleicht wird er weniger Entzündungen erleiden, aber sobald die Haut wieder zu schlecht wird, wird er sich um eine erneute Bewilligung bemühen.

Der Teufelskreis endet nicht! Auf Sicht ist keine Stabilität zu erwarten!

Kapitulation rekapituliert – Balance in 7 Akten



1. Das Leben am Start unbeachtlich. In Sprinterpose verharrend war der Aussichtslose auf Böden und Wertlosigkeiten fokussiert.

2. Den aufrechten Gang erlernt man erst nach dem Startschuss und wenn man läuft, läuft alles eh Normalo.

3. Aber Allergen und alle Gene lassen die Kniekehlen bluten und man hinkt so dahin, bis man sich zum kratzen hinsetzen muss. Man versucht sich überall zugleich zu kratzen und am Boden liegend ist jeder Mensch verunmenschlicht.

Der Kopf wird gehalten durch ein Band, gebunden mit dem absurden Knoten. Aber solange die Börse glänzt, bleibt sie in Breite und Elastizität beides Säule und Anker.

4. Mit der richtigen Pille kuriert man sich hin zum Leistungsmenschen! Ein Neustart sozusagen! Mit dem Glanz der Börse und im Bewegungsdrang, wurde repariert. Die Bandagen am Kopf wurden sorgfältig gelöst und wie bei einem alten Gemälde wurden die Kratzer ausgebessert und zurück gefärbt. Neue Freunde wurden auf ein starkes Fundament aus Verschleierung und Täuschung gestellt. Peter war ein guter Baumeister, weil seine Lebensschule Schmerz und Unvollkommenheit lehrte. Es war die beste Schule!

5. Aber er viel in den Farbtopf und verlor seine Pillen. Der Mann mit der gelben Maske trat auf und um sich. Ein Spektakel wäre es ein Schauspiel! Man tastet sich vor und will sich wieder halt verschaffen. Doch Blindheit lässt vieles zerbrechen.

6. Bis die Farbe abtropft müssen die Augen geschlossen bleiben. Aber der Fahrtwind als Abenteurer, der unermüdlich die Straße hinter sich tritt, fühlt plötzliche Leichtigkeit. Die einen nennen es Normalität die anderen Magie. Die kann man nicht erklären, die Witterung schon.

7. Gleichgültig (Indifferent) rollte er aus bis hin zum stillstand wo der Scheinwerfer die Augen blendet und die Beine lähmt. Der Glanz der Börse verblasst. Er schien auf keinen Ausweg mehr. Peter sitzt wieder am Boden zu Boden schauend und versucht sich ständig lachend an seinen Hosenträgern hoch zu ziehen. Bis er nicht mehr zieht und nicht mehr lacht.

8. Akt ungelöst!

28.7.14 20:37
 
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